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REVIEWS

Wolfgang Fadi Dorninger "Nasca, on perspective"
code: 0606-11
release date 21th june 2006
format: DVD, duration 52 minutes
style: concept album

©  2006  Neural ||| Text: Neural ||| Italy

Wolfgang Dorninger - Nasca, on perspectives

Wolfgang Dorninger, Nasca, on perspectives, Base Records, base 0606-11, dorninger_nasca_on_perspectives.jpg dvd video - Base Records - base 0606-11
Inspired by the archaic oversized field drawings of the Nasca civilization, this audio video performance produces infinite lines and juxtapositions of abstracts elements in space. The original Nasca people depicted animals (or supposed underground water flows) and each of their signs (realized from 200 BC to 600 AD) covers several square kilometers in Peru. The obsession on the mystery of such a giant signs visible only from substantial altitude is reflected in the visual works where abstract paths are omnipresent and animated along their way in the 3D space. This kinematic flow sometimes burst into temporary illuminations, that suddenly return to the original obscure and fast movement of elements. The electronic soundtrack seem to synch mainly with the graphics mood and rhythm, and the songs sometimes seem self-ironic with a deep voice oddly singing lists of digital culture concepts.

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© 2006  Freistil ||| Text: Felix ||| Austria


Wolfgang Dorninger, genannt Fadi, hat sich bislang als Kulturaktivist (Stadtwerkstatt Linz), Musiker (Wipe Out), Musikologe im speziellen und Schnittstelle von Kunst & Wissenschaft im allgemeinen einen Namen gemacht. Seit einiger Zeit wandelt Fadi auf den Spuren archaischer Kulturen, die Beschäftigung mit ihnen, das Verknüpfen mit parallelen gegenwärtigen Entwicklungen und ihre Transformation in neue Perspektiven macht er sich zur Aufgabe. Begab er sich im 1. Teil der als Trilogie angelegten Kunstarchäologie nach Hisatsinom (über das Verschwinden einer indianischen Kultur), so gilt sein Augenmerk in Teil 2 der peruanischen Bevölkerungsgruppe der Nasca, ihren Bodenzeichnungen und dem Phänomen der Perspektive aus künstlerischer und Computer-generierter Sicht. So ist das, und das alles muss erklärt sein, sonst versteht man überhaupt nix auf dieser DVD, die auf der Bildebene ein paar Spielereien und mathematische/algorithmische Berechnungen in Beziehung zur Kunst der Nasca setzt und auf der Tonebene typische, auf Anhieb erkennbare Fadi-Sounds und die bedeutungsschwangere Stimme von Siegmar Aigner unterlegt. Irgendwie interessant, irgendwie nicht, jedenfalls Respekt vor dem enormen Aufwand dieses Balanceakts zwischen Banalität und Komplexität. Bei der Linzer Ars Electronica mögen die so was. (felix)

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© Nr.9 / 2006  Silver ||| Text: Andreas Kump ||| Austria

VERLORENE CODES

„Dieses Verschlüsseln sehe ich auch als warnendes Zeichen für unsere Gesellschaft, wo mittlerweile bereits Farben zum Patent eingereicht werden und der Code versperrt wird.“

VERWIRRENDE ZEICHEN OHNE INFORMATIONEN EINER LESBARKEIT – DER LINZER MUSIKER
UND MULTIMEDIAKÜNSTLER WOLFGANG FADI DORNINGER ARBEITET ZURZEIT AN EINER
TRIOLOGIE ÜBER DIE VERMÄCHTNISSE ARCHAISCHER KULTUREN IN WÜSTENGEBIETEN. MIT
EINER CD ÜBER DIE NORDAMERIKANISCHEN HISATSINOM UND EINER DVD ÜBER DIE
GEHEIMNISVOLLEN NASCA-LINIEN IN PERU LIEGEN DIE ERSTEN ZWEI TEILE BEREITS VOR.
Autor: Andreas Kump


Ihr eigentlicher Sinn liegt bis heute im Verborgenen. Auch über 70 Jahre nach ihrer Entdeckung warten wir immer noch auf die Entschlüsselung der geheimnisvollen Nasca-Linien in der Wüste des südlichen Peru. Auf einer Fläche von über 2000 qkm finden sich dort schnurgerade, kilometerlange Linien, überdimensionale Flächen in Trapez- und Dreiecksformen sowie hunderte Meter große Tierfiguren, zu deren Ausführung einem in manchen Fällen spontan die Bilder von Keith Haring einfallen.
Diese großflächigen Bodenzeichnungen sind Zeugnisse der indigenen Kultur der Nasca, die zwischen 200 v. Chr. bis 600 n. Chr. in den Tälern der Flüsse Rio Nasca, Rio Palpa und Rio Ingenio lebten.
Was sie in dieser Zeit bewog, Steine so umzuschlichten, dass der darunter befindliche, hellere Sedimentboden der Wüste zum Vorschein kommt, steht jedoch in den Sternen. Zumindest
wies die erste von vielen Theorien dorthin. „Das größte Astronomiebuch der Welt“ vermutete der amerikanische Kulturhistoriker Prof. Paul Kossok hinter den Linien. Bis dato lässt sich diese
Annahme aber nicht zweifelsfrei bestätigen. Unbestritten bleibt hingegen, dass Kossok die Bodenzeichnungen 1939 als erster vor Ort entdeckte, nachdem bereits zuvor die Linien und Formen vom Flugzeug aus gesichtet worden waren. Anders wäre man den Nasca-Linien vermutlich noch länger nicht auf die Spur gekommen. Es brauchte den Perspektivenwechsel, die Erfindung
der Luftfahrt, um das zu sehen, was man als Wanderer in der peruanischen Wüste bestimmt übersehen hätte.
   
PERSPEKTIVENWECHSEL
Genau diese Veränderung der Perspektive war es auch, die den Linzer Musiker und Komponisten Wolfgang Fadi Dorninger zur Auseinandersetzung mit den Nasca-Linien trieb. Dorninger, zurzeit vor allem durch die von ihm mitbegründete Formation Wipe Out bekannt, bewegt sich schon seit gut 30 Jahren durch den (tatsächlichen) österreichischen Musikunderground, immer mit Grenzgängen zu Kunst und Medien. Beginnend mit einem Cassettenlabel (!) Mitte der 1980er Jahre, über eine Impuls gebende Partizipation beim Magazin SKUG, dem Kuratieren von Kunst- und Kulturprogrammen (u.a. bei der ARS Electronica), einer Lehrtätigkeit an der Kunstuniversität Linz, der Mitbegründung der Online-Musikdatenbank „SR-Archiv Österreichischer Popularmusik“ bis hin zur eigenen musikalischen Tätigkeit, Schwerpunkt Elektronisches.

Mit den Nasca-Linien kam Dorninger 1988, während einer Amerika-Tour seiner mittlerweile stillgelegten Band Monochrom Bleu, in Berührung. Im Haus seines Freundes Robert Ferbrache in Denver zeigte ihm dessen Mutter Fotos, die während einer Peru-Reise in den 1960ern entstanden waren. Dorninger war fasziniert – und speicherte die Bilder geistig ab. Erst gut 15 Jahre später sollte er sie wieder abrufen. Konkret, um den zweiten Teil einer multimedialen Triologie über archaische Kulturen in Wüstengebieten in Angriff zu nehmen.

Für den ersten Teil hatte sich Dorninger ein paar Jahre zuvor schon der Hisatsinom in Nordamerika angenommen. Ebenfalls ein indigenes Volk, siedelten die oftmals auch als Anasazi oder
Pueblo-Indianer bezeichneten Hisatsinom im heute kargen Grenzbereich der Bundesstaaten New Mexico, Colorado, Utah und Arizona. Zwei Umstände qualifizieren sie dabei für Dorningers künstlerische Auseinandersetzung: Erstens errichteten die Hisatsinom beachtliche, ja überdimensioniert wirkende Anlagen wie den Pueblo Bonito im Chaco Canyon, der mehr wie ein kosmologisches Weltbild, der architektonische Masterplan einer Gesellschaft ohne Schrift denn eine Wohnanlage erscheint, und zweitens verschwand diese frühe Hochkultur im 13. Jahrhundert
binnen zweier Generationen vollständig von der geschichtlichen Bildfläche. Zurück blieben verlassene Pueblos, rätselnde Archäologen und teils obskure Theorien. Von kannibalistischen Invasoren aus dem Gebiet des heutigen Mexiko ist mitunter die Rede, weil aufgefundene Menschenknochen einer Deutung harren, selbst von einem Sternentor, durch das die Hisatsinom verschwunden sein könnten, oder dass sie sich in endlosen Kämpfen um geringer werdende Ressourcen selbst aufgerieben haben, aber auch von einer – weit wahrscheinlicheren – großen Dürre, die dieser Zivilisation ihre Grundlage geraubt hat.

Dorninger hält es hingegen mit Dr. Jeffrey Dean von der University of Arizona, der in einer Studie die Dürre auf eine Verschiebung der Winter- und Sommermonsune zurückführte. Das heißt, der Regen kam zur falschen Zeit, sein Ausbleiben ließ die Ernte verdorren.


IMPLODIERTE GESELLSCHAFT
„Hisatsinom, Über das Verschwinden“ lautet der Titel der Audio-CD, die Dorninger 2001 auf seinem eigenen „Base“-Label dazu veröffentlicht hat. „Die Hisatsinom verfügten über eine pantheistische Religion. Anhand von Jahresringen einiger Bäume, die sie beim Pueblobau verwendet haben, wissen wir, dass es zeitgleich mit ihrem Verschwinden eine für sie verheerende Klimaverschiebung gegeben haben muss. Das hat scheinbar die Gesellschaftsordnung zum Implodieren gebracht. Die Priester, die das kosmologische Weltbild verwalteten, verloren das Vertrauen der Menschen, ihre Schützlinge wandten sich ab. Ihr Wissen und ihre Informationen, eine Art Sonnen-Mond-Uhr, die in Stein gefasst waren, sind zwar immer noch vorhanden, aber dennoch für uns unlesbar geworden.“ Mit dem Einstiegstrack „The End Of Chaco“ führt uns Dorninger auf seiner CD gleich mitten in die Thematik. Ausgehend vom Verschwinden kultureller Codes, in dem Fall ausgelöst durch eine spirituelle Krise, reflektiert der Soundbastler dann in neun weitere Stücken über das Verschwinden im Jetzt: die Synchronisation durch Medien, standardisierte Rituale als „Segnung“ einer Konsumgesellschaft oder auch das Gefangen-Sein in musikalischen Mustern. Um das Verschwinden geht es auch am Cover der CD, wo sich französischer Schimmelkäse unter einer Klebefolie langsam verändert und irgendwann gänzlich auflösen wird.

Erweitert um Videoprojektionen und Text-Bild-Animationen – Letztere von Dietmar Bruckmayr, Dorningers Kollaborateur bei Wipe Out und auch als exzessiver Performer bei der Formation
Fuckhead bestens bekannt – wurde „Hisatsinom – über das Verschwinden“ als Multimedia-Performance 2001 beim Festival 4020 in Linz uraufgeführt.

Aber zurück zu den Nasca, dem nun zweiten Teil der Triologie, wo Dorninger neben den geheimnisvollen Linien selbst vor allem die Frage der Perspektive beschäftigt. Analog der Hisatsinom-CD zieht er auf der dabei entstandenen DVD „Nasca, On Perspectives“ wieder etliche Sub-Ebenen heran. Dorninger ausführlich: „Am Erstaunlichsten finde ich es aber nach wie vor, dass die Nasca mit ihren Linien etwas schufen, an dem sie sich selbst ästhetisch gar nicht erfreuen konnten. Sie konnten ihre Bilder ja unmöglich selbst betrachten. Ihr Blick ist nach oben gerichtet, zu ihren Göttern. Für mich ist es keine künstlerische Arbeit, und es steckt absolut kein Mehrwertdenken dahinter.
Am ehesten lässt sich das vielmehr mit dem Open-Source-Gedanken vergleichen, weil die Nasca scheinbar ihr Wissen mittels der Linien gespeichert haben, wie einen riesigen Notizblock, auch wenn wir heute den Schlüssel dazu nicht mehr besitzen. Dieses Verschlüsseln sehe ich auch als warnendes Zeichen für unsere Gesellschaft, wo mittlerweile bereits Farben zum Patent eingereicht werden und der Code versperrt wird.“
Anhand solcher Überlegungen hat Wolfgang Fadi Dorninger die Perspektive nicht nur räumlich, sondern auch inhaltlich betrachtet; wobei für die DVD und deren multimediale Präsentation auch die perspektivisch „unmöglichen“ Objekte und Bilder eines M.C. Escher, die Arbeiten des italienischen Bildhauers und Architekten Filippo Brunelleschi sowie die multiplen Perspektiven algorithmisch generierter Bilderwelten eingeflossen sind.

Für all das hat Dorninger gründlichst recherchiert. Selbst ist er Mitglied in einem Verein, der das Lebenswerk von Maria Reiche weiterführt, jener 1998 verstorbenen deutschen Mathematikerin
und Geografin, die über 40 Jahre, teils unter spartanischen Bedingungen, am Rande der Pampa Colorada ansässig war und ihr Leben der Erforschung und dem Erhalt der Nasca-Linien widmete. Mit dem Erfolg, dass die Bodenzeichnungen 1994 in die UNESCO-Liste des Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wurden. Aufgrund ihrer äußerst fragilen Beschaffenheit taugen die Linien nicht für den Massentourismus. Wer, wie Dorninger für seine Recherche, vor Ort herumstapfen will, braucht eine Genehmigung der peruanischen Regierung. Die lokalen Peruaner selbst, so Dorningers Erfahrung mit Führern durchs Gelände, hätten mittlerweile ein enormes Bewusstsein und einen „irren Stolz“ auf die Zeichnungen ihrer Vorfahren entwickelt.

Allem Überbau zum Trotz: Auf „Nasca, On Perspectives“ finden sich einfach auch super Songs! Darauf lohnt es sich angesichts des reichlichen Theorieunterfutters gesondert hinzuweisen. Speziell die Tracks „Nacsa Lines“ und „Multiple Perspectives“ stechen dabei wohltönend heraus.

Bleibt noch der dritte Teil der Triologie, für den Wolfgang Fadi Dorninger die Vorarbeiten bereits aufgenommen hat. Darin wird es um soziale Utopien gehen. Um Aussteiger, die sich den
Künsten widmen, um eine Kultur, die angeblich in China, in unzugänglichen Bergregionen angestammt war, einem Mythos, auf den aber umliegende Kulturen heute noch reflektieren.
„Namen gibt es für diesen Mythos viele. Shangri-La ist unter anderem einer davon. Nachdem sich das alles in ,unmittelbarer’ Nähe zur historischen Seidenstraße abspielt, vermute ich dahinter einen vielleicht auch nur gedanklichen Gegenpol zum Merkantilismus. In etwa so, wie sich heute jeder Manager heimlich wünscht, mehr Freizeit oder Lebensqualität zu haben“.
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http://www.base.at
http://www.htw-dresden.de/nazca/index.html
http://www.servus.at/fadi/io/art_nasca1.htm
http://www.servus.at/fadi/io/art_hisatsinom1.htm

Artikel ink. Graphik als pdf-file

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© 3/2006  MegaLithos ||| Text: Katja Näther ||| Deutschland

DVD-Tipp:  „Nasca, über die Perspektive“

von Wolfgang Dorninger (Konzept, Text, Musik, Animationen und Video), Dietmar Bruckmayr (Realtime 3-D), Siegmar Aigner (Gesang) und Max Wolfsteiner (Percussion)

,Nasca, über die Perspektive“ ist der zweite Teil einer Trilogie über archaische Kulturen, die in Wüstengebieten herausragende Kulturleistungen geschaffen haben, ohne Informationen einer Lesbarkeit für nachfolgende Zeitalter zu hinterlassen. Diese Kulturen setzten für die Nachwelt derart verwirrende Zeichen, dass ihre Leistungen wissenschaftlich nur ansatzweise oder hypothetisch erklärt werden können. So schnell, wie sie zu Hochkulturen erblüht sind, sind sie wieder verschwunden. Hinterlassen haben sie einzigartige Kunstwerke und Kulturbauten, die nach unseren Parametern unbegreiflich, sinnlos, rätselhaft erscheinen – nicht von dieser Welt, weshalb sie auch immer wieder „ außerirdische“ Erklärungen (Däniken & Co) auf den Plan gerufen haben. In Teil 1 (uraufgeführt 2001) beschäftigte sich Dorninger mit der Gesellschaft der Hisatsinom im Südwesten der USA. Im aktuellen zweiten Teil beschäftigt sich Dorninger mit der Kultur der Nasca (200 v. Chr. bis 600 n. Chr.) im Süden Perus. Was immer man über die Scharrbilder und Linien denken mag, Fakt ist, dass diese riesigen, kunstfertigen Zeichen von der Erde aus kaum erkennbar sind und sich erst aus der Luft dem Auge des Betrachters öffnen. Warum also wurden sie gemacht, wenn sie doch – nach menschlichem Ermessen! – aus damaliger Perspektive unerschlossen bleiben mussten?!

Die Perspektive ist somit Thema und Überbau der Multi-Media-Performance „Nasca, über die Perspektive“ . Dorninger verfolgt, von den Bodenzeichnungen der Nasca ausgehend, verschiedene Richtungen. Einfließen werden auch die perspektivisch „ unmöglichen“ Objekte und Bilder eines M.C. Escher (1898 - 1972) oder auch die Arbeiten des italienischen Bildhauers und Architekten Filippo Brunelleschi (1377 - 1446). Weiters steuern Musikparameter multiple Perspektiven algorithmisch generierter Bilderwelten.
Film- und Mikrophonaufnahmen zum Stück fanden im Sommer 2005 an den Originalschauplätzen in Peru statt. Die vorliegende DVD ist der wichtigsten Nasca-Forscherin Dr. Maria Reiche gewidmet.
Auf der Hülle der DVD befindet sich Sand – leider nicht aus der peruanischen Wüste. Der Sand war Teil eines Berges und wird in gebauter Form wieder zum „ künstlichen“ Berg. So ist unter dem Klebeband Perspektive in kleinster Form eingeschlossen.

Die DVD kostet 18,00 Euro (zzgl. 4,00 Euro Versand, ab 30 Euro Bestellwert versandkostenfrei) und kann über das Internet unter www.base.at/schop oder bei Base records, Freistädterstraße 237, 4040 Linz/Österreich bestellt werden. Teil 3 der Trilogie wird Dorninger nach Asien führen und soll 2009 realisiert werden – man darf gespannt sein.
 Katja Näther

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© Herbst 2006  SKUG ||| Text: Heinrich Deisl ||| Austria

Unmögliche Perspektiven
Fadi Dorningers DVD über die rätselhaften Wüstenzeichnungen der Nasca 

Im zweiten Teil seiner Trilogie über archaische Kulturen beschäftigt sich Fadi Dorninger, umtriebiger Linzer Klangkünstler und Elektronik-Mastermind bei Wipe Out, mit den rund 2000 Jahre alten Wüstenzeichnungen der peruanischen Hochkultur der Nasca. »Über die Perspektive« erweitert den ersten Teil (»Hisatsinom. Über das Verschwinden«, Base, 2001) um den geometrischen Aspekt. Nach größeren multimedialen Aufführungen etwa im Linzer OK-Centrum und dem Casa Encendida in Madrid ist nun »Über die Perspektive« auch für den heimischen DVD-Player zu haben.

Das Zentrum der Nasca-Kultur befand sich gut 400 km südlich von Lima zwischen Pazifik und Küstenwüste. Die von ihr produzierten Scharrbilder konnten erst in den 1920er Jahren erfasst werden, da die mehr als 50 Geoglyphen und 1000 Linien mit einer Länge von bis zu 20km erst vom Flugzeug als zusammenhängende Figuren auszumachen waren. Verschiedenste Theorien ranken sich um die Zeichnungen, am wahrscheinlichsten ist, dass sie kultische Funktionen hatten. 1994 wurde das Gebiet zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

Das aus Peru mitgebrachte Audio- und Videomaterial wurde zusammen mit den Langzeitbekannten Didi Bruckmayr/Siegmar Aigner (Fuckhead) und Mex Wolfsteiner (Trio Exklusiv) zu einer breit angelegten »Medienoper« verarbeitet. Bruckmayr destilliert aus den Nasca-Linien 3D-Visuals, woraus Bilder entstehen, die archaische und algorithmische Räume ineinander crashen lassen und sich mit den »unmöglichen« Perspektiven eines M.C. Escher abgleichen. Die Musik ist wieder, ähnlich wie Teil 1, als eine Mischung zwischen melancholisch anmutenden Phrasen und heftigen Eruptionen à la Fuckhead gehalten. Die Bilder und Sounds von »Über die Perspektive« allein genommen, könnte man beinahe annehmen, im schwerelosen Raum auf der anderen Seite des raumzeitlichen Wurmlochs zu treiben. Was ja eine veritable (imaginäre) Andockstation bieten würde, denn eine der bekanntesten populärwissenschaftlichen Theorien über die Nasca-Linien besagt, dass sie eine Art visuelles Codesystem seien, hergestellt von Außerirdischen, um bei ihrer Rückkehr wieder an diesen Ort zurück zu finden. »Über die Perspektive« ist schließlich ein äußerst kompaktes Werk, das die Soundkoordinaten nach »Über das Verschwinden« ins Visuelle kippen und Land- mit Soundscapes gegeneinander oszillieren lässt. Und das, wie viele Arbeiten Dorningers, durchsetzt ist mit sozialem Engagement und ordentlich Strom für die Diskurs-Birne.

Fadi Dorninger: »Nasca. Über die Perspektive« (DVD, Base Rec., www.base.at)

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© Sept./Kkt. 2006  KAPUZINE ||| Text: Huckey Renner ||| Austria


DORNINGER
NASCA , on Perspectives
DVD, Base Records, www.base.at

Multiple Perspektiven um Übersimplifizierung zu vermeiden. Verwirrende Zeichen für die Nachwelt zu setzen, die bestenfalls hypothetisch erklärt werden können. Perspektivisch unmögliche Objekte und Bilder. Damit setzt sich das NASCA-Projekt von Wolfgang 'Fadi' Dorninger auseinander. Scharrbilder, kilometerlang, die von der Erde aus kaum erkennbar sind und sich erst aus der Luft, vogelperspektivisch, dem Auge erschliessen gravierten die Nasca, ein Volk, 200 v. Chr.- 600 n.Chr. ansässig im Süden Perus, in den Boden. Überdimensionale Flächen in Dreiecks- oder Trapezform sind erkennbar. Markierungen für unterirdische Wasserläufe? Bilder für die Götter? Spekulationen und wissenschaftliche Theorien gibt es hierzu viele.
Kurz gesagt: Dorninger war in Peru und tätigte Film- und Mikroaufnahmen. Daraus entstand einerseits eine Multimediaperformance (die bereits im OK und in Madrid zu sehen war) und andererseits diese DVD. Dietmar Bruckmayrs Realtime 3-D Progammierung mit/zu Animationen und Musik von Fadi Dorninger, Vocals von Siegmar Aigner (Fuckhead-Fame!) und Percussions von Mex Wolfsteiner (Trio Exklusiv) kompletieren Fadis Musikparameter die wiederum algorithmisch generierte Bilderwelten steuern.
Musikalisch wird frischester Fadi-Sound geboten, mitdicken Drums und schönen Soundflächen und immer wieder Aigners Vocals, die Schauer über den Rücken rauf und runter jagen. Unbedingt Zeit nehmen und im Fernseher durchsehen (Heimkino/Beamer irgendwer?)! Faszinierend schönes Ding ist das. Und am Cover klebt ein Sackerl mit Sand aus Peru...
NASCA ist übrigens Teil 2 einer Trilogie die sich mit archaischen Kulturen befassst, die herausragende Kulturleistungen geschaffen haben (Teil1: 'Hisatsinom, über das Verschwinden' beschäftigte sich mit dem rasanten Untergang einer hochentwickelten indianischen Kultur. Ein Reflektieren über das Verschwinden im Jetzt.).
Teil 3 wird Fadi Dorninger nach Asien führen und soll 2009 realisiert werden. Wir sind gespannt. Einer der wenigen Gründe warum das Kulturhauptstadtjahr ruhig kommen kann.
huckey

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© 01. August 2006  WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe ||| Deutschland

Dorninger "Nasca, on perspective"
(Base Records)
Wer mittlerweile einen Breitwandfernseher sein eigen nennt, braucht nun keine Drogen mehr! Aus Österreich kommen Wolfgang Fadi Dorninger, Didi Bruckmayr & Co mit einer neun Stücke umfasenden DVD, die wie ein Trip durch fiktive halluzinogene Welten ist. Ihre Musikparameter steuern Bildalgorithmen, Soundscapes. Der Nasca Code zeigt Übergänge von 2D in 3D, diagrammatische Bildformen, modulare, unmögliche, algorithmische Perspektiven. Hier kommt der einfache Gelegenheitstrinker nicht mehr mit - „Nasca, On Perspektives“ ist mehr. Bewußtseinserweiterung per TV. Cool. Einzigartig. Aber: Nicht einfach am Stück konsumierbar!
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Weitere Infos: www.base.at

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© July 06  BAD ALCHEMY ||| Text: Rigobert Dittmann ||| Deutschland

WOLFGANG DORNINGER Nasca, über die Perspektive  (Base Records, base 0606-11, DVD, 52 min.): ‚Nasca Lines, walking on lines, geometrical figures, diagrams textures, 2D><3D transitions, multiple perspectives, high/low/long/short/full/low/texture, impossible, algorithmic & transactional perspectives‘. So von der zweiten über die dritte in die xte Dimension nähert sich ‚Fadi‘ Dorninger dem Phänomen der lebenslang von Dr. Maria Reiche (1903-1998) erforschten peruanischen Nasca-Geoglyphen an. Gleichzeitig nimmt der Linzer Audiovisualist diese ‚unmöglichen‘ Zeichen bei der zweiten Station seiner Trilogie über archaische Kulturen - die erste, Hisatsinom, über das Verschwinden (BA 39), hatte sich um die Relikte der auch als Anasazi bekannten Navajo-Kultur gedreht - zum Anlass, sich mit ‚Perspektive‘ als solcher künstlerisch auseinanderzusetzen. Von Dietmar Bruckmayrs realtime 3-D auf der visuellen Ebene unterstützt und von der Stimme von Siegmar Aigner und der Percussion von Mex Wolfsteiner beim auditiven Durchstieg in die vierte Dimension, konfrontiert Dorninger die Sinne mit den Herausforderungen ‚übermenschlicher‘ Betrachtungsweisen und multikomplexer ‚Dimensionalität‘. Die vermutlich astronomisch-kalendarisch motivierten Nasca-Scharrbilder, die für Vogel- oder ‚göttliche Kosmonauten‘-Augen bestimmt zu sein scheinen, haben einen irrationalen Aspekt an sich, der entsprechende Spekulationen nach sich zog, die diese überdimensionierten Linien, Affen und Kolibris für einen weiteren Beleg halten, dass die irdische Kultur als Cargo-Kultur extraterrestrischer Astronautik zu deuten ist. Analog suggeriert Dorningers ‚unmögliche‘ Video-Morphologie, die Konkrete Kunst und Konstruktivismus per Materialfortschritt auf ein heutiges Level potenziert, dass der menschliche Frosch und seine Sprünge und die Dimensionen der Rätselhaftigkeit in proportionaler Beziehung zueinander stehen. Während das Auge erst über die Nasca-Hochebene hinwegfliegt, bis es über psychedelische und de-stijl-ähnliche Graphiken im Rausch zunehmend komplexer und schließlich hyperkomplexer Transitionen kapituliert, wird das Ohr gefüttert mit einem Mix aus elektroakustisch pulsierenden Mustern und ambienten Drones. Und dazu singt Aigner, Sozialarbeiter und Chorist an der Wiener Staatsoper und neben Bruckmayr ein notorischer Fuckhead, sporadisch mit Scott-Walker-ähnlichem Pathos von knowledge, complexity und constructivism. Gesang von derart opernhafter Anachronistik, der dann auch noch ins Groteske (à la David Moss) ausschert, dass er weit mehr als das Nasca-Rätsel selbst die Frage nach außerirdischen Inspiratoren verdient. Wie bei Hisatsinom ein Klecks Schimmelkäse, so wird bei Nasca ein halber Fingerhut voll feinem Sand auf dem Cover mitgeliefert. Die Perspektive aller Perspektiven?

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© August/Sept.  Concerto Nr.4 ||| Text: Hans Kulisch ||| Austria

nasca concerto

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© 4.Juli  Mostviertel Bazar 181 ||| Text: Petra Ortner ||| Austria

review


updated 06.08.2006