|
REVIEWS
Wolfgang Fadi Dorninger
"Nasca, on perspective"
code: 0606-11
release date 21th june 2006
format: DVD, duration 52 minutes
style: concept album
© 2006 Neural ||| Text: Neural ||| Italy
dvd video - Base Records - base 0606-11
Inspired by the archaic oversized field drawings of the Nasca
civilization, this audio video performance produces infinite lines and
juxtapositions of abstracts elements in space. The original Nasca
people depicted animals (or supposed underground water flows) and each
of their signs (realized from 200 BC to 600 AD) covers several square
kilometers in Peru. The obsession on the mystery of such a giant signs
visible only from substantial altitude is reflected in the visual works
where abstract paths are omnipresent and animated along their way in
the 3D space. This kinematic flow sometimes burst into temporary
illuminations, that suddenly return to the original obscure and fast
movement of elements. The electronic soundtrack seem to synch mainly
with the graphics mood and rhythm, and the songs sometimes seem
self-ironic with a deep voice oddly singing lists of digital culture
concepts.
------------------------------------------------------------------------------------------------------
© 2006 Freistil ||| Text: Felix ||| Austria
Wolfgang Dorninger, genannt Fadi, hat sich bislang als Kulturaktivist
(Stadtwerkstatt Linz), Musiker (Wipe Out), Musikologe im speziellen und
Schnittstelle von Kunst & Wissenschaft im allgemeinen einen Namen
gemacht. Seit einiger Zeit wandelt Fadi auf den Spuren archaischer
Kulturen, die Beschäftigung mit ihnen, das Verknüpfen mit
parallelen gegenwärtigen Entwicklungen und ihre Transformation in
neue Perspektiven macht er sich zur Aufgabe. Begab er sich im 1. Teil
der als Trilogie angelegten Kunstarchäologie nach Hisatsinom
(über das Verschwinden einer indianischen Kultur), so gilt sein
Augenmerk in Teil 2 der peruanischen Bevölkerungsgruppe der Nasca,
ihren Bodenzeichnungen und dem Phänomen der Perspektive aus
künstlerischer und Computer-generierter Sicht. So ist das, und das
alles muss erklärt sein, sonst versteht man überhaupt nix auf
dieser DVD, die auf der Bildebene ein paar Spielereien und
mathematische/algorithmische Berechnungen in Beziehung zur Kunst der
Nasca setzt und auf der Tonebene typische, auf Anhieb erkennbare
Fadi-Sounds und die bedeutungsschwangere Stimme von Siegmar Aigner
unterlegt. Irgendwie interessant, irgendwie nicht, jedenfalls Respekt
vor dem enormen Aufwand dieses Balanceakts zwischen Banalität und
Komplexität. Bei der Linzer Ars Electronica mögen die so was.
(felix)
------------------------------------------------------------------------------------------------------
© Nr.9 / 2006 Silver ||| Text: Andreas Kump ||| Austria
VERLORENE CODES
„Dieses
Verschlüsseln sehe ich auch als warnendes Zeichen für unsere
Gesellschaft, wo mittlerweile bereits Farben zum Patent eingereicht
werden und der Code versperrt wird.“
VERWIRRENDE ZEICHEN OHNE INFORMATIONEN EINER LESBARKEIT – DER LINZER MUSIKER
UND MULTIMEDIAKÜNSTLER WOLFGANG FADI DORNINGER ARBEITET ZURZEIT AN EINER
TRIOLOGIE ÜBER DIE VERMÄCHTNISSE ARCHAISCHER KULTUREN IN WÜSTENGEBIETEN. MIT
EINER CD ÜBER DIE NORDAMERIKANISCHEN HISATSINOM UND EINER DVD ÜBER DIE
GEHEIMNISVOLLEN NASCA-LINIEN IN PERU LIEGEN DIE ERSTEN ZWEI TEILE BEREITS VOR.
Autor: Andreas Kump
Ihr eigentlicher Sinn liegt bis heute im Verborgenen. Auch über 70
Jahre nach ihrer Entdeckung warten wir immer noch auf die
Entschlüsselung der geheimnisvollen Nasca-Linien in der Wüste
des südlichen Peru. Auf einer Fläche von über 2000 qkm
finden sich dort schnurgerade, kilometerlange Linien, überdimensionale Flächen in Trapez- und Dreiecksformen sowie
hunderte Meter große Tierfiguren, zu deren Ausführung einem
in manchen Fällen spontan die Bilder von Keith Haring einfallen.
Diese großflächigen Bodenzeichnungen sind Zeugnisse der
indigenen Kultur der Nasca, die zwischen 200 v. Chr. bis 600 n. Chr. in
den Tälern der Flüsse Rio Nasca, Rio Palpa und Rio Ingenio
lebten.
Was sie in dieser Zeit bewog, Steine so umzuschlichten, dass der
darunter befindliche, hellere Sedimentboden der Wüste zum
Vorschein kommt, steht jedoch in den Sternen. Zumindest
wies die erste von vielen Theorien dorthin. „Das
größte Astronomiebuch der Welt“ vermutete der
amerikanische Kulturhistoriker Prof. Paul Kossok hinter den Linien. Bis
dato lässt sich diese
Annahme aber nicht zweifelsfrei bestätigen. Unbestritten bleibt
hingegen, dass Kossok die Bodenzeichnungen 1939 als erster vor Ort
entdeckte, nachdem bereits zuvor die Linien und Formen vom Flugzeug aus gesichtet worden waren. Anders wäre man den
Nasca-Linien vermutlich noch länger nicht auf die Spur gekommen.
Es brauchte den Perspektivenwechsel, die Erfindung
der Luftfahrt, um das zu sehen, was man als Wanderer in der peruanischen Wüste bestimmt übersehen hätte.
PERSPEKTIVENWECHSEL
Genau diese Veränderung der Perspektive war es auch, die den
Linzer Musiker und Komponisten Wolfgang Fadi Dorninger zur
Auseinandersetzung mit den Nasca-Linien trieb. Dorninger, zurzeit vor
allem durch die von ihm mitbegründete Formation Wipe Out bekannt,
bewegt sich schon seit gut 30 Jahren durch den (tatsächlichen)
österreichischen Musikunderground, immer mit Grenzgängen zu
Kunst und Medien. Beginnend mit einem Cassettenlabel (!) Mitte der
1980er Jahre, über eine Impuls gebende Partizipation beim Magazin SKUG, dem Kuratieren von Kunst- und
Kulturprogrammen (u.a. bei der ARS Electronica), einer
Lehrtätigkeit an der Kunstuniversität Linz, der
Mitbegründung der Online-Musikdatenbank „SR-Archiv
Österreichischer Popularmusik“ bis hin zur eigenen
musikalischen Tätigkeit, Schwerpunkt Elektronisches.
Mit den Nasca-Linien kam Dorninger 1988, während einer
Amerika-Tour seiner mittlerweile stillgelegten Band Monochrom Bleu, in
Berührung. Im Haus seines Freundes Robert Ferbrache in Denver
zeigte ihm dessen Mutter Fotos, die während einer Peru-Reise in
den 1960ern entstanden waren. Dorninger war fasziniert – und
speicherte die Bilder geistig ab. Erst gut 15 Jahre später sollte
er sie wieder abrufen. Konkret, um den zweiten Teil einer multimedialen
Triologie über archaische Kulturen in Wüstengebieten in
Angriff zu nehmen.
Für den ersten Teil hatte sich Dorninger ein paar Jahre zuvor
schon der Hisatsinom in Nordamerika angenommen. Ebenfalls ein indigenes
Volk, siedelten die oftmals auch als Anasazi oder
Pueblo-Indianer bezeichneten Hisatsinom im heute kargen Grenzbereich
der Bundesstaaten New Mexico, Colorado, Utah und Arizona. Zwei
Umstände qualifizieren sie dabei für Dorningers künstlerische Auseinandersetzung: Erstens errichteten die
Hisatsinom beachtliche, ja überdimensioniert wirkende Anlagen wie
den Pueblo Bonito im Chaco Canyon, der mehr wie ein kosmologisches Weltbild, der architektonische Masterplan einer
Gesellschaft ohne Schrift denn eine Wohnanlage erscheint, und zweitens
verschwand diese frühe Hochkultur im 13. Jahrhundert
binnen zweier Generationen vollständig von der geschichtlichen
Bildfläche. Zurück blieben verlassene Pueblos, rätselnde
Archäologen und teils obskure Theorien. Von kannibalistischen
Invasoren aus dem Gebiet des heutigen Mexiko ist mitunter die Rede,
weil aufgefundene Menschenknochen einer Deutung harren, selbst von
einem Sternentor, durch das die Hisatsinom verschwunden sein
könnten, oder dass sie sich in endlosen Kämpfen um geringer
werdende Ressourcen selbst aufgerieben haben, aber auch von einer – weit wahrscheinlicheren –
großen Dürre, die dieser Zivilisation ihre Grundlage geraubt
hat.
Dorninger hält es hingegen mit Dr. Jeffrey Dean von der University
of Arizona, der in einer Studie die Dürre auf eine Verschiebung
der Winter- und Sommermonsune zurückführte. Das heißt,
der Regen kam zur falschen Zeit, sein Ausbleiben ließ die Ernte
verdorren.
IMPLODIERTE GESELLSCHAFT
„Hisatsinom, Über das Verschwinden“ lautet der Titel
der Audio-CD, die Dorninger 2001 auf seinem eigenen
„Base“-Label dazu veröffentlicht hat. „Die
Hisatsinom verfügten über eine pantheistische Religion.
Anhand von Jahresringen einiger Bäume, die sie beim Pueblobau
verwendet haben, wissen wir, dass es zeitgleich mit ihrem Verschwinden
eine für sie verheerende Klimaverschiebung gegeben haben muss. Das
hat scheinbar die Gesellschaftsordnung zum Implodieren gebracht. Die
Priester, die das kosmologische Weltbild verwalteten, verloren das Vertrauen der
Menschen, ihre Schützlinge wandten sich ab. Ihr Wissen und ihre
Informationen, eine Art Sonnen-Mond-Uhr, die in Stein gefasst waren,
sind zwar immer noch vorhanden, aber dennoch für uns unlesbar
geworden.“ Mit dem Einstiegstrack „The End Of Chaco“
führt uns Dorninger auf seiner CD gleich mitten in die Thematik.
Ausgehend vom Verschwinden kultureller Codes, in dem Fall
ausgelöst durch eine spirituelle Krise, reflektiert der
Soundbastler dann in neun weitere Stücken über das
Verschwinden im Jetzt: die Synchronisation durch Medien,
standardisierte Rituale als „Segnung“ einer
Konsumgesellschaft oder auch das Gefangen-Sein in musikalischen Mustern. Um das Verschwinden
geht es auch am Cover der CD, wo sich französischer
Schimmelkäse unter einer Klebefolie langsam verändert und
irgendwann gänzlich auflösen wird.
Erweitert um Videoprojektionen und Text-Bild-Animationen –
Letztere von Dietmar Bruckmayr, Dorningers Kollaborateur bei Wipe Out
und auch als exzessiver Performer bei der Formation
Fuckhead bestens bekannt – wurde „Hisatsinom –
über das Verschwinden“ als Multimedia-Performance 2001 beim
Festival 4020 in Linz uraufgeführt.
Aber zurück zu den Nasca, dem nun zweiten Teil der Triologie, wo
Dorninger neben den geheimnisvollen Linien selbst vor allem die Frage
der Perspektive beschäftigt. Analog der Hisatsinom-CD zieht er auf der dabei entstandenen DVD „Nasca, On
Perspectives“ wieder etliche Sub-Ebenen heran. Dorninger
ausführlich: „Am Erstaunlichsten finde ich es aber nach wie
vor, dass die Nasca mit ihren Linien etwas schufen, an dem sie sich
selbst ästhetisch gar nicht erfreuen konnten. Sie konnten ihre
Bilder ja unmöglich selbst betrachten. Ihr Blick ist nach oben
gerichtet, zu ihren Göttern. Für mich ist es keine
künstlerische Arbeit, und es steckt absolut kein Mehrwertdenken
dahinter.
Am ehesten lässt sich das vielmehr mit dem Open-Source-Gedanken
vergleichen, weil die Nasca scheinbar ihr Wissen mittels der Linien
gespeichert haben, wie einen riesigen Notizblock, auch wenn wir heute
den Schlüssel dazu nicht mehr besitzen. Dieses Verschlüsseln
sehe ich auch als warnendes Zeichen für unsere Gesellschaft, wo mittlerweile bereits Farben
zum Patent eingereicht werden und der Code versperrt wird.“
Anhand solcher Überlegungen hat Wolfgang Fadi Dorninger die
Perspektive nicht nur räumlich, sondern auch inhaltlich
betrachtet; wobei für die DVD und deren multimediale
Präsentation auch die perspektivisch
„unmöglichen“ Objekte und Bilder eines M.C. Escher,
die Arbeiten des italienischen Bildhauers und Architekten Filippo
Brunelleschi sowie die multiplen Perspektiven algorithmisch generierter
Bilderwelten eingeflossen sind.
Für
all das hat Dorninger gründlichst recherchiert. Selbst ist er
Mitglied in einem Verein, der das Lebenswerk von Maria Reiche
weiterführt, jener 1998 verstorbenen deutschen Mathematikerin
und Geografin, die über 40 Jahre, teils unter spartanischen
Bedingungen, am Rande der Pampa Colorada ansässig war und ihr
Leben der Erforschung und dem Erhalt der Nasca-Linien widmete. Mit dem
Erfolg, dass die Bodenzeichnungen 1994 in die UNESCO-Liste des
Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wurden. Aufgrund ihrer
äußerst fragilen Beschaffenheit taugen die Linien nicht
für den Massentourismus. Wer, wie Dorninger für seine
Recherche, vor Ort herumstapfen will, braucht eine Genehmigung der peruanischen Regierung. Die lokalen Peruaner selbst, so
Dorningers Erfahrung mit Führern durchs Gelände, hätten
mittlerweile ein enormes Bewusstsein und einen „irren
Stolz“ auf die Zeichnungen ihrer Vorfahren entwickelt.
Allem Überbau zum Trotz: Auf „Nasca, On Perspectives“
finden sich einfach auch super Songs! Darauf lohnt es sich angesichts
des reichlichen Theorieunterfutters gesondert hinzuweisen. Speziell die
Tracks „Nacsa Lines“ und „Multiple
Perspectives“ stechen dabei wohltönend heraus.
Bleibt noch der dritte Teil der Triologie, für den Wolfgang Fadi
Dorninger die Vorarbeiten bereits aufgenommen hat. Darin wird es um
soziale Utopien gehen. Um Aussteiger, die sich den
Künsten widmen, um eine Kultur, die angeblich in China, in
unzugänglichen Bergregionen angestammt war, einem Mythos, auf den
aber umliegende Kulturen heute noch reflektieren.
„Namen gibt es für diesen Mythos viele. Shangri-La ist unter
anderem einer davon. Nachdem sich das alles in ,unmittelbarer’
Nähe zur historischen Seidenstraße abspielt, vermute ich
dahinter einen vielleicht auch nur gedanklichen Gegenpol zum
Merkantilismus. In etwa so, wie sich heute jeder Manager heimlich
wünscht, mehr Freizeit oder Lebensqualität zu haben“.
-
-
http://www.base.at
http://www.htw-dresden.de/nazca/index.html
http://www.servus.at/fadi/io/art_nasca1.htm
http://www.servus.at/fadi/io/art_hisatsinom1.htm
Artikel ink. Graphik als pdf-file
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------
© 3/2006 MegaLithos ||| Text: Katja Näther ||| Deutschland
DVD-Tipp: „Nasca, über die Perspektive“
von Wolfgang Dorninger (Konzept, Text, Musik, Animationen und Video),
Dietmar Bruckmayr (Realtime 3-D), Siegmar Aigner (Gesang) und Max
Wolfsteiner (Percussion)
,Nasca,
über die Perspektive“ ist der zweite Teil einer Trilogie
über archaische Kulturen, die in Wüstengebieten herausragende
Kulturleistungen geschaffen haben, ohne Informationen einer Lesbarkeit
für nachfolgende Zeitalter zu hinterlassen. Diese Kulturen setzten
für die Nachwelt derart verwirrende Zeichen, dass ihre Leistungen
wissenschaftlich nur ansatzweise oder hypothetisch erklärt werden
können. So schnell, wie sie zu Hochkulturen erblüht sind,
sind sie wieder verschwunden. Hinterlassen haben sie einzigartige
Kunstwerke und Kulturbauten, die nach unseren Parametern unbegreiflich,
sinnlos, rätselhaft erscheinen – nicht von dieser Welt,
weshalb sie auch immer wieder „ außerirdische“
Erklärungen (Däniken & Co) auf den Plan gerufen haben. In
Teil 1 (uraufgeführt 2001) beschäftigte sich Dorninger mit
der Gesellschaft der Hisatsinom im Südwesten der USA. Im aktuellen
zweiten Teil beschäftigt sich Dorninger mit der Kultur der Nasca
(200 v. Chr. bis 600 n. Chr.) im Süden Perus. Was immer man
über die Scharrbilder und Linien denken mag, Fakt ist, dass diese
riesigen, kunstfertigen Zeichen von der Erde aus kaum erkennbar sind
und sich erst aus der Luft dem Auge des Betrachters öffnen. Warum
also wurden sie gemacht, wenn sie doch – nach menschlichem
Ermessen! – aus damaliger Perspektive unerschlossen bleiben
mussten?!
Die
Perspektive ist somit Thema und Überbau der
Multi-Media-Performance „Nasca, über die Perspektive“
. Dorninger verfolgt, von den Bodenzeichnungen der Nasca ausgehend,
verschiedene Richtungen. Einfließen werden auch die
perspektivisch „ unmöglichen“ Objekte und Bilder eines
M.C. Escher (1898 - 1972) oder auch die Arbeiten des italienischen
Bildhauers und Architekten Filippo Brunelleschi (1377 - 1446). Weiters
steuern Musikparameter multiple Perspektiven algorithmisch generierter
Bilderwelten.
Film- und Mikrophonaufnahmen zum Stück fanden im Sommer 2005 an
den Originalschauplätzen in Peru statt. Die vorliegende DVD ist
der wichtigsten Nasca-Forscherin Dr. Maria Reiche gewidmet.
Auf der Hülle der DVD befindet sich Sand – leider nicht aus
der peruanischen Wüste. Der Sand war Teil eines Berges und wird in
gebauter Form wieder zum „ künstlichen“ Berg. So ist
unter dem Klebeband Perspektive in kleinster Form eingeschlossen.
Die
DVD kostet 18,00 Euro (zzgl. 4,00 Euro Versand, ab 30 Euro Bestellwert
versandkostenfrei) und kann über das Internet unter
www.base.at/schop oder bei Base records, Freistädterstraße
237, 4040 Linz/Österreich bestellt werden. Teil 3 der Trilogie
wird Dorninger nach Asien führen und soll 2009 realisiert werden
– man darf gespannt sein.
Katja Näther
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------
© Herbst 2006 SKUG ||| Text: Heinrich Deisl ||| Austria
Unmögliche Perspektiven
Fadi Dorningers DVD über die rätselhaften Wüstenzeichnungen der Nasca
Im zweiten Teil seiner Trilogie über archaische Kulturen
beschäftigt sich Fadi Dorninger, umtriebiger Linzer
Klangkünstler und Elektronik-Mastermind bei Wipe Out, mit den rund
2000 Jahre alten Wüstenzeichnungen der peruanischen Hochkultur der
Nasca. »Über die Perspektive« erweitert den ersten
Teil (»Hisatsinom. Über das Verschwinden«, Base, 2001)
um den geometrischen Aspekt. Nach größeren multimedialen
Aufführungen etwa im Linzer OK-Centrum und dem Casa Encendida in
Madrid ist nun »Über die Perspektive« auch für
den heimischen DVD-Player zu haben.
Das Zentrum der Nasca-Kultur befand sich gut 400 km südlich von
Lima zwischen Pazifik und Küstenwüste. Die von ihr
produzierten Scharrbilder konnten erst in den 1920er Jahren erfasst
werden, da die mehr als 50 Geoglyphen und 1000 Linien mit einer
Länge von bis zu 20km erst vom Flugzeug als zusammenhängende
Figuren auszumachen waren. Verschiedenste Theorien ranken sich um die
Zeichnungen, am wahrscheinlichsten ist, dass sie kultische Funktionen
hatten. 1994 wurde das Gebiet zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.
Das aus Peru mitgebrachte Audio- und Videomaterial wurde zusammen mit
den Langzeitbekannten Didi Bruckmayr/Siegmar Aigner (Fuckhead) und Mex
Wolfsteiner (Trio Exklusiv) zu einer breit angelegten
»Medienoper« verarbeitet. Bruckmayr destilliert aus den
Nasca-Linien 3D-Visuals, woraus Bilder entstehen, die archaische und
algorithmische Räume ineinander crashen lassen und sich mit den
»unmöglichen« Perspektiven eines M.C. Escher
abgleichen. Die Musik ist wieder, ähnlich wie Teil 1, als eine
Mischung zwischen melancholisch anmutenden Phrasen und heftigen
Eruptionen à la Fuckhead gehalten. Die Bilder und Sounds von
»Über die Perspektive« allein genommen, könnte
man beinahe annehmen, im schwerelosen Raum auf der anderen Seite des
raumzeitlichen Wurmlochs zu treiben. Was ja eine veritable
(imaginäre) Andockstation bieten würde, denn eine der
bekanntesten populärwissenschaftlichen Theorien über die
Nasca-Linien besagt, dass sie eine Art visuelles Codesystem seien,
hergestellt von Außerirdischen, um bei ihrer Rückkehr wieder
an diesen Ort zurück zu finden. »Über die
Perspektive« ist schließlich ein äußerst
kompaktes Werk, das die Soundkoordinaten nach Ȇber das
Verschwinden« ins Visuelle kippen und Land- mit Soundscapes
gegeneinander oszillieren lässt. Und das, wie viele Arbeiten
Dorningers, durchsetzt ist mit sozialem Engagement und ordentlich Strom
für die Diskurs-Birne.
Fadi Dorninger: »Nasca. Über die Perspektive« (DVD, Base Rec., www.base.at)
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------
© Sept./Kkt. 2006 KAPUZINE ||| Text: Huckey Renner ||| Austria
DORNINGER
NASCA , on Perspectives
DVD, Base Records, www.base.at
Multiple Perspektiven um Übersimplifizierung zu vermeiden.
Verwirrende Zeichen für die Nachwelt zu setzen, die bestenfalls
hypothetisch erklärt werden können. Perspektivisch
unmögliche Objekte und Bilder. Damit setzt sich das NASCA-Projekt
von Wolfgang 'Fadi' Dorninger auseinander. Scharrbilder, kilometerlang,
die von der Erde aus kaum erkennbar sind und sich erst aus der Luft,
vogelperspektivisch, dem Auge erschliessen gravierten die Nasca, ein
Volk, 200 v. Chr.- 600 n.Chr. ansässig im Süden Perus, in den
Boden. Überdimensionale Flächen in Dreiecks- oder Trapezform
sind erkennbar. Markierungen für unterirdische Wasserläufe?
Bilder für die Götter? Spekulationen und wissenschaftliche
Theorien gibt es hierzu viele.
Kurz gesagt: Dorninger war in Peru und tätigte Film- und
Mikroaufnahmen. Daraus entstand einerseits eine Multimediaperformance
(die bereits im OK und in Madrid zu sehen war) und andererseits diese
DVD. Dietmar Bruckmayrs Realtime 3-D Progammierung mit/zu Animationen
und Musik von Fadi Dorninger, Vocals von Siegmar Aigner
(Fuckhead-Fame!) und Percussions von Mex Wolfsteiner (Trio Exklusiv)
kompletieren Fadis Musikparameter die wiederum algorithmisch generierte
Bilderwelten steuern.
Musikalisch wird frischester Fadi-Sound geboten, mitdicken Drums und
schönen Soundflächen und immer wieder Aigners Vocals, die
Schauer über den Rücken rauf und runter jagen. Unbedingt Zeit
nehmen und im Fernseher durchsehen (Heimkino/Beamer irgendwer?)!
Faszinierend schönes Ding ist das. Und am Cover klebt ein Sackerl
mit Sand aus Peru...
NASCA ist übrigens Teil 2 einer Trilogie die sich mit archaischen
Kulturen befassst, die herausragende Kulturleistungen geschaffen haben
(Teil1: 'Hisatsinom, über das Verschwinden' beschäftigte sich
mit dem rasanten Untergang einer hochentwickelten indianischen Kultur.
Ein Reflektieren über das Verschwinden im Jetzt.).
Teil 3 wird Fadi Dorninger nach Asien führen und soll 2009
realisiert werden. Wir sind gespannt. Einer der wenigen Gründe
warum das Kulturhauptstadtjahr ruhig kommen kann.
huckey
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------
© 01. August 2006 WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe ||| Deutschland
Dorninger "Nasca, on perspective"
(Base Records)
Wer mittlerweile einen Breitwandfernseher sein eigen nennt, braucht nun
keine Drogen mehr! Aus Österreich kommen Wolfgang Fadi Dorninger,
Didi Bruckmayr & Co mit einer neun Stücke umfasenden DVD, die
wie ein Trip durch fiktive halluzinogene Welten ist. Ihre
Musikparameter steuern Bildalgorithmen, Soundscapes. Der Nasca Code
zeigt Übergänge von 2D in 3D, diagrammatische Bildformen,
modulare, unmögliche, algorithmische Perspektiven. Hier kommt der
einfache Gelegenheitstrinker nicht mehr mit - „Nasca, On
Perspektives“ ist mehr. Bewußtseinserweiterung per TV.
Cool. Einzigartig. Aber: Nicht einfach am Stück konsumierbar!
*****
Weitere Infos: www.base.at
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------
© July 06 BAD ALCHEMY ||| Text: Rigobert Dittmann ||| Deutschland
WOLFGANG
DORNINGER Nasca, über die
Perspektive (Base
Records, base 0606-11, DVD, 52 min.): ‚Nasca Lines, walking on lines,
geometrical figures, diagrams textures, 2D><3D transitions, multiple
perspectives, high/low/long/short/full/low/texture, impossible,
algorithmic & transactional perspectives‘. So von der zweiten über die
dritte in die xte Dimension nähert sich ‚Fadi‘ Dorninger dem Phänomen
der lebenslang von Dr. Maria Reiche (1903-1998) erforschten
peruanischen Nasca-Geoglyphen an. Gleichzeitig nimmt der Linzer
Audiovisualist diese ‚unmöglichen‘ Zeichen bei der zweiten Station
seiner Trilogie über archaische Kulturen - die erste, Hisatsinom, über
das Verschwinden (BA 39), hatte sich um die Relikte der auch als
Anasazi bekannten Navajo-Kultur gedreht - zum Anlass, sich mit
‚Perspektive‘ als solcher künstlerisch auseinanderzusetzen. Von
Dietmar Bruckmayrs realtime 3-D auf der visuellen Ebene unterstützt
und von der Stimme von Siegmar Aigner und der Percussion von Mex
Wolfsteiner beim auditiven Durchstieg in die vierte Dimension,
konfrontiert Dorninger die Sinne mit den Herausforderungen
‚übermenschlicher‘ Betrachtungsweisen und multikomplexer
‚Dimensionalität‘. Die vermutlich astronomisch-kalendarisch
motivierten Nasca-Scharrbilder, die für Vogel- oder ‚göttliche
Kosmonauten‘-Augen bestimmt zu sein scheinen, haben einen irrationalen
Aspekt an sich, der entsprechende Spekulationen nach sich zog, die
diese überdimensionierten Linien, Affen und Kolibris für einen
weiteren Beleg halten, dass die irdische Kultur als Cargo-Kultur
extraterrestrischer Astronautik zu deuten ist. Analog suggeriert
Dorningers ‚unmögliche‘ Video-Morphologie, die Konkrete Kunst und
Konstruktivismus per Materialfortschritt auf ein heutiges Level
potenziert, dass der menschliche Frosch und seine Sprünge und die
Dimensionen der Rätselhaftigkeit in proportionaler Beziehung
zueinander stehen. Während das Auge erst über die Nasca-Hochebene
hinwegfliegt, bis es über psychedelische und de-stijl-ähnliche
Graphiken im Rausch zunehmend komplexer und schließlich hyperkomplexer
Transitionen kapituliert, wird das Ohr gefüttert mit einem Mix aus
elektroakustisch pulsierenden Mustern und ambienten Drones. Und dazu
singt Aigner, Sozialarbeiter und Chorist an der Wiener Staatsoper und
neben Bruckmayr ein notorischer Fuckhead, sporadisch mit
Scott-Walker-ähnlichem Pathos von knowledge, complexity und
constructivism. Gesang von derart opernhafter Anachronistik, der dann
auch noch ins Groteske (à la David Moss) ausschert, dass er weit mehr
als das Nasca-Rätsel selbst die Frage nach außerirdischen Inspiratoren
verdient. Wie bei Hisatsinom ein Klecks Schimmelkäse, so wird bei
Nasca ein halber Fingerhut voll feinem Sand auf dem Cover
mitgeliefert. Die Perspektive aller Perspektiven?
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------
© August/Sept. Concerto Nr.4 ||| Text: Hans Kulisch ||| Austria

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------
© 4.Juli Mostviertel Bazar 181 ||| Text: Petra Ortner ||| Austria
|