| info +++ artists +++ records +++ shop +++ base mail +++ links +++ news |
|
Wolfgang Fadi Dorninger
"theatre scores remixed" ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------- ©
01. August 2005 WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe *** Weitere Infos: www.base.at -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Theater durch Musik erleben Dorninger: Theatre Scores RemixedVon Bruno Jaschke Die schöne, vergängliche Welt des Pop bereichert der Oberösterreicher Wolfgang "Fadi" Dorninger als Keyboarder der zuletzt zunehmend zum "Besinnlichen" tendierenden Electro-Hardcore-Formation Wipeout. Daneben betreibt der ehemalige Visuelle Medienstudent bei Professor Peter Weibel auch ein eigenes Label (Base Records) und veröffentlicht schon seit längerem Projekte, die man als Hörbilder oder akustische Skulpturen, sicher aber als Konzeptalben im guten Sinn bezeichnen könnte. "Hisatsinom, über das Verschwinden" nimmt, mit Beteiligung des 16 Horsepower- und Woven Hand-Frontmanns David Eugene Edwards, den Untergang der indianischen Hochkultur im Südwesten der USA als Ausgangspunkt, das Verschwinden kultureller Codes zu erforschen, während die Mini-CD "Fadi@vilnius.lt" Eindrücke und Aufnahmen aus Litauen zu einem Hörspiel mit sakralem Einschlag verarbeitet. Wie wiederum das kleine Dorf Asten bei Linz von der Industrialisierung und Beschleunigung der Zeit aus der Bahn geworfen wurde, ist auf der gleichnamigen CD nachzuvollziehen. Mit Linz hat auch Dorningers neueste Arbeit zu tun, die in Form einer Doppel-CD eine Auswahl der "Soundtracks" präsentiert, die er in den vergangenen zwölf Jahren in intensiven Auseinandersetzungen mit Stücken und beteiligtem Theaterpersonal für Aufführungen des Theater Phönix und des Landestheaters gefertigt hat. "Theatre Scores Remixed" sind seine klanglichen Ausstattungen für Schillers "Räuber", Wedekinds "Lulu", Burgess’ "Clockwork Orange", mehrere Shakespeare-Deutungen u. a. betitelt. Warum "remixed"? "Die ursprüngliche Theater-Musik ist von mir exakt auf die jeweilige Szene und die Spieldynamik der Schauspieler abgestimmt worden. Ohne Schauspiel kann das auf CD ziemlich schnell langweilig werden. Deshalb wurden alle Stücke für die CD mehr oder weniger überarbeitet." Dorninger präsentiert nicht etwa ein chronologisch geordnetes "Best Of", sondern sieben Themenschwerpunkte: Intros; einen Shakespeare-Komplex; Liebe, Lockung, Leidenschaft & Liebesleid; Krieg, Gewalt, NS-Jugendfürsorge; Angst, Verrat & Wahn; einen Schiller-Komplex; Träume, Visionen & Zwischenwelten. Gesprochene Texte, verfasst von Alexandra Rollet (vom Theater Phönix), leiten in die jeweiligen Blöcke ein, um der musikalischen Interpretation gewissermaßen den Boden zu legen. Ein paar Momente der Idylle und Beschaulichkeit in Form akustischer Naturkulissen und kammermusikalischer Interludien lässt die Musik zu, wo sie sich etwa in die elegischeren und die romantischeren Stellen bei Shakespeare, in Freud und Leid der Liebe oder in Traumwelten einfühlt, aber meistens präsentiert sie sich als Kriegsschauplatz: Da scheinen Rhythmen in Schlaglöcher zu stolpern, brechen sich auftürmende Soundscapes an harschen Dissonanzen, verflachen unvermutet zu trügerischem Säuseln, bahnen sich rapide neue Attacken ihren Weg. Nie erschien der Jubilar Schiller unruhiger und aufwühlender als in dieser musikalischen Deutung; nicht anschaulicher könnte erlebbar gemacht werden, welches Angst- und Bedrohungspotential in kontemporärer Theaterliteratur steckt. "Grundsätzlich komponiere ich nur Musik für Stücke, die mich überzeugen und wenn das Regiekonzept passt. Können muss ich mit den Leuten auch noch. Im Theater musst du teilen, auf Buch, Dramaturgie, Regie, Bühnenbild und Schauspiel Rücksicht nehmen. Das fordert ungemein, nervt ab und zu und sehr oft öffnen sich ganz neue Welten." Gegenwärtig arbeitet Wolfgang Dorninger am zweiten Teil einer Trilogie über arachaische, hochentwickelte Wüsten-Zivilisationen, deren Kulturleistungen bis heute nicht erklärt werden können. Diesmal geht es, nach den Hisatsinom in Teil 1, um die Kultur der Nasca (200 v. Chr. bis 600 n. Chr.) im Süden Perus, die in den kargen Boden überdimensionale Zeichnungen eingravierten, die erst aus der Luft besehen die Formen von Tieren, seltsamen Zwitterwesen oder geometrischen Zeichen preisgeben. Im Februar 2006 wird "Nasca, über die Perspektive" in einer multimedialen Inszenierung im Linzer O.K. Zentrum für Gegenwartskunst uraufgeführt. Davor sollen noch eine neue CD und DVD von Wipeout erscheinen. © Freitag,
29.
Juli 2005, Wiener Zeitung Concerto - Hans Kulisch Wolfgang Dorninger hat neben seinen Popmusiktätigkeiten mit der wunderbaren Band Wipeout vor allem als Komponist für Bühnenmusik aufhorchen lassen. Viele seiner Soundtracks erreichten Kultstatus, wie die legendären Bühnenmusiken zu "Clockwork Orange", "die Räuber" oder Richters "Gott ist ein DJ" . Die Doppel-CD ist unterteilt in Kapitel und nicht nach Theater-Stücken. Jedes Thema wird von gesprochenem Text eingeleitet, der die Musik mit den Szenen des jeweiligen Theaterstücks verknüpft. U.a. gibt es Einlassmusik, The Shakespeare Complex, Liebe, Lockung,Leidenschaft, bis hin zu Träume, Visionen etc. Wie das klingt? Nun ja, die Stücke sind sehr kurz gehalten (Ausnahme eines mit 17 Minuten) und könnten wunderbar auch für loopbasierende Produktionen dienen. Für sich selbst sind die 50 Sekunden - 2 Minuten-Brocken variable Soundscapes mit tollen Syntie-Klängen in gewohnt guter Qualität. --------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Bad Alchemy No. 45 - Rigobert Dittmann Auf die Theatre Scores Remixed (Base Records, base 0505-10, 2xCD) gab WOLFGANG FADI DORNINGERs Beitrag zu BA 42 schon einen kleinen Vorgeschmack. Hier nun sind seine Theater- & Ballettmusiken für Clockwork Orange (1994), Die Räuber (1996), Orpheus// Linz//Euridike (1998), Shakespeare Sämtliche Werke leicht gekürzt (1999), Gott ist ein DJ, Sozialwerk & Richard III (2000), Woyzeck & Pulverfass (2002), Wer hat Angst vor Virginia Woolf? (2003), Lulu & Die Achse des Bösen Richard3: Macbeth (2004), alles Stücke, die im Theater Phoenix oder im Landestheater bzw. Posthof Linz aufgeführt wurden, zu einem neuen Ganzen zusammengeschnitten. Dabei werden wieder einzelne Akte und ein dramatischer Bogen gebildet: Einlassmusik, Intros - The Shakespeare-Complex - Liebe, Lockung, Leidenschaft & Liebesleid - Krieg, Gewalt, NS-Jugendsfürsorge - Angst, Verrat & Wahn - Der Schiller-Komplex und Träume, Visionen & Zwischenwelten. Die einstige Funktionalität weicht einer eigenen musikalischen Logik. Nicht der Logik technoider Verlaufsform, obwohl die Sounds weitgehend elektronisch generiert wurden. Dorninger schafft etwas ganz Hybrides, indem er mit theatralischen Akzenten und Knotenbildungen operiert. Die thematische Bündelung geht einher mit emotionalen Verdichtungen und theatralischen Spitzen. Ob es dabei glücklich war, für jeden Akt vom Schauspieler und Regisseur Steffen Höld einführende Textcollagen sprechen zu lassen, die Alexandra Rollett geschrieben hat, will ich mal dahin stellen. Ich bin kein großer Freund des Theaters, seiner Gaukel- & Hampeleien. Die hanebüchene, zum Kringeln lachhafte Schülertheatralik von Alex und seiner Clockwork Orange-Gang liefert mir da nur ein Argument mehr. Und auch Hölds braves Timbre windet Sätzen wie „Ich fick dich in deinen Scheiß Piranha-Arsch“ ein Stilblütenkränzchen. Ihre Stärke entwickelt die Musik abseits der Theaterschminke und solcher verbaler Ouverturen. Der Zeitschiene Shakespeare z.B. gab Dorninger mit Keyboards und Stringsamples eine leichte Renaissancecodierung, Dejan Dukovskis Pulverfass und dem Clockwork-Droogies-Horror eine leitmotivische Martialität. Die Tendenz zur Leidenschaft, zur Bestürzung, zum Pathos, zum Herzfieber ist immer hörbar und verankert Dorningers Musik eben nicht in der funktionalen Coolness eines Sensorroundkokons, sondern sie exponiert sich konfrontativ und direkt und so theatralisch wie das Theater selbst auf seiner frontalen Bühne. ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------- SKUG No. 64 - Günther 'Bus' Schweiger Fadi Doringer ist dem Konzertbesucher als der Mann hinter den Tasten bei »Wipeout« bekannt, aber er ist einer, der seit Jahrzehnten musikalische Basisarbeit leistet. Hier hat er seine Musik, die er für diverse Theaterproduktionen schrieb (u.a »Die Räuber«, »Richard III«, »Gott ist ein DJ« oder »Lulu«) noch einmal überarbeitet. Der Kunstgriff besteht darin, dass er die überarbeiteten Stücke in Themenkreise wie Intros, Liebe, Lockung, Krieg, Angst oder Träume zusammenfasst und so den Dokumentionscharakter links liegen lässt, aber dafür spannende Klanglandschaften schafft, die sich von der Theaterbühne emanzipieren und für sich stehen. Die Reise durch diese 140 Minuten ist wahrlich ein Abenteuer und Dorninger beweist wieder einmal, dass er der Meister des menschlichen Beats ist. |
| updated
10.10.2005 |