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Wolfgang
Fadi
Dorninger "Asten"
code: base 9995
format: cd, duration: 53:30 minutes
style: ambient music concrete with grooves
tracks:
1.Bild: Idylle, 2. Bild: Sissi Bahn, 3. Bild: 1938, 4. Bild: Autobahn,
5.Bild: Mülldeponie, 6. Bild: Donaukraftwerk, 7.Bild:
Kläranlage, 8. Bild: Leben in Asten"
music by: Wolfgang
Dorninger
recorded at Sonic Sound Environments
mp3: listen to "Idylle"
& "Kläranlage"
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ASTEN von Wolfgang Fadi
Dorninger
Resocycling, ein Projekt
von Caritas
Sozialprojekt Hartlauerhof und Kunst and Kultur, Pro Mente
Oberösterreich im Rahmen von "Randzonen" Festival der Regionen
OÖ 25.6. - 4.7.1999.
Resocycling thematisierte
Ränder auf
zweifacher Ebene: der sozialen und der geographischen.
Die Partnerschaft beider Sozialeinrichtungen, Projektidee und - ziele
ergaben sich aufgrund ähnlicher Ziele und Visionen der
Institutionen Caritas und Pro Mente und durch die Tatsache, daß
beide Ihre alltägliche Arbeit sogenannten gesellschaftlichen
Randgruppen widmen. Die Realität, daß der Hartlauerhof in
Asten liegt, Asten seinerseits geographischer Rand zum Zentrum Linz ist
- mit ökologischen und sozialen Auswirkungen, ein Ort dessen
Infrastruktur eindeutig auf die Bedürfnisse der Metropole
zugeschnitten ist: ein ausgebautes, hochfrequentiertes Verkehrsnetz,
großstädtischer Wohnungsbau, der die ursprüngliche
dörfliche Struktur völlig überlagert, eine
Mülldeponie, die den Großstadtmüll aufnimmt, eine
Abfallsortieranlage oder die gewissermaßen als Linzer
Randbemerkung aufzufassende Außenstelle der Strafvollzugsanstalt.
Die Arbeitsperspektive war, Rand nicht a priori als Negativum zu
begreifen, sondern seine Licht- und Schattenseiten aufzuspüren.
Projektziele waren, dem Rand zentrale Aufmerksamkeit zu geben, in
Begegnung und Auseinandersetzung über kommunikative und kreative
Prozesse sollten Begriffe wie Wertlosigkeit/Verwertbarkeit,
Rand/Zentrum neu überdacht werden.
Der Projekttitel "Resocycling" läßt die sozial und
geographisch/ökologische Betrachtungsweise bereits anklingen. Vier
externe Künstler - Ulrike Schörkel, Ella Raidel, Wolfgang
Fadi Dorninger und Chris Wessels - wurden eingeladen, sich innerhalb
ihrer unterschiedlichen Kunstmedien mit den Randphänomenen
auseinanderzusetzen: Für die Entwicklung ihrer Arbeiten war es
unabdingbar, den Dialog und die Mitarbeit zu suchen, einerseits mit den
Klienten der beiden Einrichtungen, andererseits mit der
Bevölkerung von Asten.
"Asten" ein
Musikstück von Wolfgang
Fadi Dorninger in acht Bildern
Einschneidende
Veränderungen in das
Leben der Astener wurden zumeist durch politische Voragben und
technische Eingriffe von Außen vorgegeben.
Mein Auftrag lautete: Komponiere ein Musikstück über Asten
und skizziere den geographischen Rand.
Asten bietet gute Rohmaterialien für den Klangforscher:
Hauptverkehrswege (Westbahn, Westautobahn, Einflugschneise),
Kläranlage, Donaukraftwerk, Mülldeponie,
Müllsortieranlage, Gefängnis, Menschen in Neubauten, Au- und
Schilflandschaften und Badeseen. Die meisten Orte schließen den
Menschen aus: Betreten verboten. Die Menschen sind hilfsbereit,
freundlich und manchmal auch neugierig. "Für was soll das gut
sein?" steht in ihre Gesichter geschrieben. Dabei kennen die wenigsten
Astener ihren Ort. 6000 Neu-Astener genießen die Nähe zu
Linz, beteiligen sich aber kaum am kulturellen Leben, kommen, wie es
scheint, bloß zum schlafen. Rundum diese Schlafstätten
reihen sich ein künstlicher Berg aus Müll, Bauern- und
Auland. Asten klingt gut, diese Geräusche werden aber in den
meisten Fällen kaum wahrgenommen. Durch gezielte Verstärkung
wurden diese Elemente hörbar gemacht und als Teil eines
Musikstückes recycled.
Acht Bilder:
Das Stück beginnt
auf einer Wiese, es ist Bauern- und Auland, eine Idylle aus purer
Natur. Die Eingriffe des Menschen sind spärlich. Der erste
große Eingriff: die Eisenbahn. Die Ereignisse in Asten
beschleunigen sich. Die akustischen Muster werden immer sonderbarer.
Die Ästhetik ändert sich. Industrielle Produktion schafft
neue Ereignisse Produkte, Unfälle und Abfälle. Nicht nur im
Konsum, sondern auch im Leben. Das Stück endet in der Jetztzeit.
Drei Aufführung des Musikstückes fanden im Hartlauerhof, zwei
am Marktplatz von Asten statt.
1.Bild "Idylle"
Geschichte: Das ursprüngliche Asten mit seinen 600 Bewohnern lebte
von Landwirtschaft, Fischfang und Schiffahrt. Der Name Asten (Astina)
kommt zum erstenmal in einer Urkunde des Stiftes St. Nikola bei Passau
vom Jahre 1073 vor. Raffelstetten wurde bereits 906 im Zusammenhang mit
der Raffelstettner Zollordnung urkundlich erwähnt.
Tonaufnahmen: Hohenlohe-Ausee, Schilflandschaft, Gabelung Ipfbach und
Mitterwasser. Wasserplätschern des Ipfbaches bei den
Schrebergärten (Fisching)/Brücke.
Musik: Geräusche aus der Au, von Tieren, vom Wetter und der
Kirchenglocke fließen in das Stück "Asten erwacht".
2.Bild "Sissi
Bahn"
Geschichte: Die heutige Westbahn verband auf Geheiß des
bayrischen Königs München mit Wien. Mit der Sissy-Bahn hielt
Mitte des 19. Jahrhunderts die industrielle Revolution Einzug in Asten.
Die Beschleunigung der Menschen und Güter erfaßte auch die
Astner Bauern und Fischer.
Tonaufnahmen: Au, Dampflok (Archiv), Zug: Intercity aufgenommen bei den
Schrebergärten, Güterwaggons in der Nähe des Astner
Bahnhofs) Musik: Ung. 100 Züge befahren pro Tag die
Westbahnstrecke. In diesem Stück sind es aber 1000 pro Minute und
sie fahren durch die Astener Wohnzimmer.
3.Bild "1938"
Tonaufnahmen: keine
Geschichte: Das Umsiedelungslager Heinrichsdorf, benannt nach Heinrich
Himmler veränderte erstmals die dörfliche Struktur Astens.
Mehr als 3000 Menschen lebten im Lager, wo es eine Post, Schule und
eigene Gemeindeverwaltung gab. Nach dem Krieg wurde das Lager
weitergeführt, um Vertriebenen kurzfristig Platz zu geben. 1963
wurde das Lager zu einer Außenstelle des landesgerichtlichen
Gefangenenhauses Linz umgewidmet.
Musik: Das Stück "1938" richtet sich gegen barbarische,
verbrecherische Machthaber und trauert mit den Leidenden."
4.Bild "Autobahn"
Tonaufnahmen: Westautobahn von der Autobahnbrücke Tillysburger
Straße in der Stoßzeit und neuem Straßenbelag.
Geschichte: Asten vereint drei der wichtigsten Verkehrsrouten
Österreichs auf seinem Gemeindegebiet. Die Westbahn, die
Einflugschneise nach Wien und die Westautobahn. Die günstige
Anbindung Astens an die Autobahn schafft Arbeitsplätze durch
Industrieansiedelungen, verkürzte Anbindung nach Linz und Wien,
aber auch dementsprechende Belastungen.
Musik: Motto: Wir fahren mit dem Auto, alles ist so wunderbar.
5.Bild
"Mülldeponie"
Tonaufnahmen: keine
Geschichte: Die Linzer haben es gut, ihr Müll landet in Asten. Es
werden Unsummen für marketinggerechte Verpackungsmittel
ausgegeben, Kleinbeträge für Recycling.
Musik: Ein Trauermarsch für die Dummheit und den Egoismus der
Menschen.
6.Bild
"Donaukraftwerk"
Tonaufnahmen: Die Donau bei Hochwasser (Weißwasseraufnahmen), im
Bauch des Kraftwerkes.
Geschichte: Das Donaukraftwerk Abwinden-Asten in 1980 wurde nach drei
jahren Bauzeit fertiggestellt und zwingt die einst "wilde" Donau in ein
geregeltes Flußbett. Früher überschwemmte der
Fluß in regelmäßigen Abständen die Ortschaften
Raffelstetten, Ipfdorf und Fisching.
Musik: Die Donau, ein Strom im Korsett - eine kleine Melancholie.
7.Bild
"Kläranlage"
Tonaufnahmen: Einlauf des Hauptkanales, Rechenhaus, Vorklärbecken,
Schlammpressenhaus, Maschinenraum, Heizraum, auf den
Faulbehältern, ein Handy sendet Impulse (Störungen), wir
hören das Handyläuten im leeren Faulbehälter, Flugzeug
über Faulbehälter, die aufgeschreckten Vögel schimpfen
über diese Belästigung.
Geschichte: Parallel zum Bau des Kraftwerkes erbaute die SBL die
Kläranlage Asten. Über 30 Gemeinden lassen dort seit 1982
ihre Abwässer klären.
Musik: Die Kläranlage ist ein Paradis für
Geräuschjäger, vor allem dann, wenn ein Faulturm fast leer
ist und unglaubliche Hallreflexionen erzeugt. Das 12-Minutenstück
setzt sich ausschließlich aus Geräuschen dieser Anlage
zusammen. Ausnahme sind: Bassdrum und Bass beim Beatteil.
8.Bild "Leben in
Asten"
Tonaufnahmen: Marktplatz, Brunnen am Marktplatz, lachende Menschen am
Standlmarkt, Kindergarten (Kinder im Freien mit Flugzeug), spielende
Kinder im Hof der Wohnanlage Eigenheimstraße.
Geschichte: Asten ist die jüngste Gemeinde Österreichs.
Über 6000 Menschen wohnen in Asten. Von den Ur-Astnern (ung. 650)
werden die Neu-Astner als eine Art "Schlafbewohner" betrachtet, da die
meisten Bewohner täglich nach Linz auspendeln. Gleiches gilt
für die Schüler.
Musik: Die Zukunft von Asten beim Spielen im Hof. Es liegt an ihnen das
alte Asten mit dem neuen Asten zu verbinden. Das Stück "Asten
erwacht" bildet den Abschluß.
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